Es ist interessant zu beobachten, dass nach dem Vorfall in Potsdam eine riesige Diskussionswelle gestartet wurde – wobei noch vor einiger Zeit ein einzelner, niedergeprügelter “Ausländer” wohl kaum eine Zeile in der lokalen Zeitung wert wäre (man möge mir das Wort Ausländer verzeihen – ich hasse es, zu kategorisieren).
Hängt es mit der anstehenden Fußball-WM zusammen, dass man plötzlich auf ein gutes, eigenes Image aus ist? Weswegen veranstaltet Potsdam plötzlich anti-faschistische Kundgebungen? Die Menschen, die sonst nie auf die Straße gehen, halten jetzt Händchen, zünden Kerzen an, bilden Lichterketten… Ich bin sicher, das zeigt der Welt, wie offen und tolerant Potsdam ist. Denn darum gehts – um Potsdam. Nicht um den “Deutsch-Äthiopier Ermias M.”, der auch zum aktuellen Zeitpunkt noch im Koma liegt.
Kleine Kinder werden mit Schildern auf die Straße geschickt, von der Presse fotographiert und der ganzen Welt gezeigt. Als ob ein 9-jähriger Junge auf solch eine Idee käme (Oder haben Mama und Papa da mitgeholfen?).
Aber auch wenn ich jetzt meinem Unmut etwas Luft verschaffe, so ist mir ein Zitat eines Potsdamers aufgefallen. Das trifft es sehr genau und wird hoffentlich Gehör bei unseren Politikern finden.
„Ist ne ganz große Sauerei. Aber ich muss Ihnen ehrlich sagen: solange man die Rechten hier frei marschieren lässt, wird wahrscheinlich so was nicht ausbleiben. Daran muss man arbeiten. Die Krokodilstränen der heutigen Politiker sind lachhaft, ehrlich, ehrlich.“
Quelle: http://www.rbb-online.de/
Herrlich – die “Krokodilstränen der Politiker” – also ich mag diesen Potsdamer :-).
Wenn nicht bald was geschieht, wird es wohl bei den Lichterketten bleiben. Toller Trost für Ermyas…